13.08.2026 - LCH-Umfrage zur integrativen Schule

Lehrerschaft fordert bessere Umsetzungsbedingungen für inklusive Schule

Medienmitteilungen

Eine heute veröffentliche Umfrage des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) zeigt: Die Mehrheit der Lehrer:innen in der Schweiz steht hinter der Pädagogik der inklusiven Schule. Die Haltungen sind aber stark von den Umsetzungsbedingungen abhängig. Unter den heutigen Voraussetzungen steht knapp die Hälfte der Lehrer:innen der inklusiven Schule kritisch gegenüber. Die LCH-Umfrage ist eine wichtige Basis für die Weiterentwicklung der inklusiven Schule. Diese ist für das Leben und die Entwicklung von Kindern mit Behinderungen von essenzieller Bedeutung.

Nun gilt es, gemeinsam mit den Lehrer:innen, den Betroffenen, der Politik und den Behörden herauszufinden, wie die Rahmenbedingungen der inklusiven Schule gestaltet werden können. Denn die Inklusion ist für die schulische Entwicklung von Kindern mit Behinderungen entscheidend – dies zeigte zuletzt auch der Bildungsbericht 2026.

Wissenschaft stützt Inklusion

Wie verschiedene Studien zeigen, machen Kinder mit Behinderungen in inklusiven Klassen bessere Lernfortschritte – bei ausreichender Durchmischung entstehen zudem keine nachteiligen Effekte auf die Mitschüler:innen. Inklusive Beschulung fördert die spätere Integration in den Arbeitsmarkt und damit ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben. Separation hingegen verringert die Fortschritte, ist in den meisten Fällen unumkehrbar und führt in ein Leben in Segregation.

Separation schafft Mehrkosten

Eine inklusive Schule ist kostengünstiger als das Aufrechterhalten eines doppelspurigen Systems mit Regel- und Sonderschulen. Dies zeigen unter anderem Zahlen aus dem Kanton Bern (siehe dazu SRF-Beitrag vom 12.07.2025). Würden alle verhaltensauffälligen Kinder separat beschult, hätte dies etwa eine Verfünffachung der benötigten Mittel zur Folge (siehe dazu Tages-Anzeiger vom 26.06.2024). Sonder- und Regelschule zusammengenommen, wären bereits heute die Mittel vorhanden, um die Lehrerschaft bei der Umsetzung der Inklusion besser zu unterstützen. Allerdings sind immer noch zu viele Ressourcen in Sonderschulen gebunden. Ohne diese Mittel ist es eine Herausforderung, einen inklusiven Schulalltag zu schaffen, der auch für die Lehrerschaft attraktiv ist. Gleichzeitig ist für Inclusion Handicap klar, dass das heute an Sonderschulen bestehende Angebot für Kinder mit schweren Behinderungen und sehr spezifischen Bedürfnissen nicht in Frage gestellt werden darf.

Zusammenführung der Systeme

Auch die Rechtsfälle von Inclusion Handicap zeigen, dass Inklusion häufig an den finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen scheitert. Hier decken sich die Erfahrungen des Dachverbands mit den Schlussfolgerungen der Lehrerschaft. Für Inclusion Handicap ist deshalb unbestritten, dass der Prozess zur Zusammenführung von Sonder- und Regelschulen eingeleitet werden muss. Ohne diese kann das Projekt der inklusiven Schule weder wirklich erprobt noch weiterentwickelt werden – und wird ein systemisches Problem auf hoch vulnerable Schulkinder abgewälzt.

Zur Mediendokumentation des LCH

Auskunft

Jonas Gerber, Kommunikationsverantwortlicher Inclusion Handicap
jonas.gerber@inclusion-handicap.ch / 031 370 08 42