04.11.2026 - Nächste IV-Revision

Politik muss für stabile IV sorgen

Medienmitteilungen

Der Bundesrat hat heute seinen Vorentwurf für die nächste IV-Revision in die Vernehmlassung gegeben. Inclusion Handicap begrüsst die geplante Stärkung der Integrationsbemühungen. Für die drängenden finanziellen Probleme der IV liefert die Vorlage jedoch noch keine vollständige Lösung. Die Behindertenverbände werden im Rahmen der Vernehmlassung detailliert Stellung nehmen. Zudem wird eine Allianz aus Behindertenverbänden und weiteren Organisationen am 19.11.2026 an einer Medienkonferenz aufzeigen, was es für eine starke IV braucht.

Die IV ist ein bedeutender Pfeiler der sozialen Sicherheit der Schweiz. Sie hat die Aufgabe der Existenzsicherung bei dauerhaftem Erwerbsausfall und soll Erwerbsintegration und Inklusion ermöglichen. Doch mit der heutigen Finanzierung kann die IV ihre Aufgaben schlicht nicht genügend wahrnehmen. Zur Stabilisierung ist eine finanzielle Stärkung der Versicherung im Rahmen der nächsten Revision unerlässlich. «Um ein derart wichtiges Sozialwerk wie die IV wieder auf eine solide Grundlage zu stellen, ist ein Paket gefordert, das die finanziellen Probleme der IV rasch und nachhaltig löst. Ein solches liefert die geplante Revision noch nicht», sagt Olga Manfredi, Co-Präsidentin von Inclusion Handicap.

Fokus auf berufliche Eingliederung zu begrüssen

Angesichts der steigenden Neurentenzahlen ist zu begrüssen, dass in die Erwerbsintegration generell und in die berufliche Eingliederung und Inklusion junger Erwachsener investiert werden soll (siehe auch Medienmitteilung des Bundesrats). Die Stärkung des schon heute bestehenden Instruments der Fallführung scheint aus Sicht von Inclusion Handicap sinnvoll. Die Beurteilung der im Vorentwurf vorgeschlagenen Integrationsleistung für junge Erwachsene hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Es muss unbedingt vermieden werden, dass mit einer solchen Leistung der Druck auf psychisch belastete junge Erwachsene zusätzlich erhöht wird. Während der Dauer einer solchen Integrationsleistung braucht es zudem dringend eine durchgehende finanzielle Absicherung durch eine existenzsichernde Geldleistung. Für die Kürzung der Renten von Menschen mit einer schweren Behinderung (IV-Grad über 70%) bieten die Behindertenorganisationen keine Hand. Diese Schlechterstellung betrifft Menschen, die bereits heute nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Finanzielle Situation erfordert zusätzliche Mittel

Die IV ist nicht erst seit dem letzten Anstieg der Rentenzahlen unterfinanziert. Wie die Finanzperspektiven zeigen, ist das Vermögen der IV ohne zusätzliche Massnahmen im Jahr 2031 vollständig aufgebraucht. Der heute präsentierte Vorentwurf der nächsten IV-Revision anerkennt den Handlungsbedarf, geht ihn aber nicht konsequent genug an. Die IV hat im Wesentlichen drei finanzielle Herausforderungen zu bewältigen: Die Beseitigung des strukturellen Defizits, den Wiederaufbau einer Vermögensreserve im IV-Fonds und die Begleichung der IV-Schuld bei der AHV von 10 Milliarden Franken. Zwar ist es zu begrüssen, dass der Bundesrat im Vorentwurf Mehreinnahmen einplant. Um alle drei Herausforderungen rasch und nachhaltig anzugehen, braucht es jedoch ein weitergehendes Finanzierungskonzept.

Allianz informiert an Medienkonferenz

Die Schweizer Behindertenverbände sind über die finanzielle Lage und die Perspektiven der IV beunruhigt. Die aktuelle Situation der IV und Themen wie die psychische Gesundheit von jungen Erwachsenen sind nicht allein das Problem der IV, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Dementsprechend müssen Gesellschaft und Politik nun die Verantwortung zur Stabilisierung der IV wahrnehmen. Eine Allianz aus Behindertenverbänden und weiteren Organisationen wird am 19.11.2026 aufzeigen, welche Massnahmen notwendig sind, um die IV langfristig zu stabilisieren. Die Medienkonferenz findet von 10:00 bis 11:00 Uhr im Kongresszentrum Kreuz, an der Zeughausgasse 41 in Bern statt.

Auskunft

Jonas Gerber, Kommunikationsverantwortlicher Inclusion Handicap
jonas.gerber@inclusion-handicap.ch / 031 370 08 42

Matthias Kuert Killer, Leiter Politik
matthias.kuert@inclusion-handicap.ch / 078 625 72 73