07.09.2026 - Herbstsession

Ausblick Herbstsession 2026

Sessionen

IV-Finanzen, psychische Gesundheit, inklusive Bildung, Gebärdensprachengesetz: Die Herbstsession bringt zahlreiche Geschäfte mit sich, die Menschen mit Behinderungen direkt betreffen. Besonders im Fokus stehen die Inklusions-Initiative und ihr indirekter Gegenvorschlag. Mit grosser Spannung blickt Inclusion Handicap auf die Beratung im Nationalrat und auf die konkrete Chance für mehr Gleichstellung.

Nationalrat

Gebärdensprachen brauchen eine starke gesetzliche Grundlage

15.09.2026; pa. Iv. WBK-N 26.404: Die Teilrevision des Behindertengleichstellungsgesetzes trägt der Lebensrealität von Menschen, die auf Gebärdensprache angewiesen sind, zu wenig Rechnung. Ein eigenständiges Gebärdensprachengesetz soll die notwendigen Grundlagen schaffen, insbesondere für die Koordination von Gebärdensprach-Fachkräften, ein Kompetenzzentrum für Bildung, zur Presseförderung sowie bessere Dolmetschleistungen am Arbeitsplatz, im Gesundheitswesen und für die gesellschaftliche Teilhabe. Inclusion Handicap unterstützt die Anliegen der parlamentarischen Initiative und empfiehlt dem Nationalrat – so wie auch seine Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N) – diese anzunehmen.

Zur pa. IV. 26.404 auf Curia Vista

Nationalrat muss Gegenvorschlag zur Inklusions-Initiative stärken

16.09.2026; BRG 26.029: Ein bedeutender Moment für 1,9 Millionen Menschen mit Behinderungen: Die Inklusions-Initiative und der indirekte Gegenvorschlag kommen in den Nationalrat. Dieser entscheidet, ob er die Initiative zur Annahme oder Ablehnung empfehlen will und kann gleichzeitig den Gegenvorschlag weiter verbessern. Denn Letzterer greift zwar wichtige Forderungen auf, bleibt aber insgesamt zu unverbindlich. Der Nationalrat hat es jetzt in der Hand, die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in der Schweiz massgeblich voranzubringen. Inclusion Handicap erwartet ein klares Bekenntnis zu mehr Verbindlichkeit bei der tatsächlichen Gleichstellung.

Zum Geschäft 26.029 auf Curia Vista

IV und Kantone sollen inklusive Beschulung stärken

21.09.2026; Po. Alijaj 26.3136: Mit dem Po. 26.3136 beauftragt SP-Nationalrat Islam Alijaj den Bundesrat, in einem Bericht die Rolle der IV bei der Unterstützung von Kindern mit Behinderungen im schulischen Kontext darzulegen. Insbesondere soll dieser aufzeigen, wie das Zusammenspiel zwischen Sozialversicherungssystem und Bildungssystem funktioniert und ob es Verbesserungen in der Koordination zwischen Bund und Kantonen bedarf. Inclusion Handicap empfiehlt wie der Bundesrat die Annahme des Postulats.

Zum Po. 26.3136 auf Curia Vista

Strategie zur Prävention und Früherkennung von psychischen Notlagen gefordert

21.09.2026; Po. Tschopp 24.4566: Die Entwicklung der psychischen Gesundheit ist besorgniserregend, insbesondere bei jungen Menschen. Der Bundesrat soll deshalb eine Strategie zur Prävention und Früherkennung von psychischen Notlagen erarbeiten. Das fordert SP-Nationalrat und Vorstandsmitglied von Inclusion Handicap Jean Tschopp mittels Postulat 24.4566. Der Bundesrat lehnte das Geschäft mit Verweis auf bestehende andere Strategien ab. Inclusion Handicap sieht den Nationalrat in der Pflicht, diese Thematik anzugehen und die Gesundheit junger Menschen nicht auf die lange Bank zu schieben.

Zum Po. 24.4566 auf Curia Vista

Mehr Transparenz im Einigungsverfahren bei der Vergabe von Aufträgen für medizinische Gutachten

29.09.2026; Motion SGK-N 26.4057: Die Sozialkommission des Nationalrats beauftragt mit der Motion 26.4057 den Bundesrat, in der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) das Verfahren für den Einigungsversuch bei der Vergabe von medizinischen Gutachten näher zu regeln. Ziel ist es, mehr Klarheit im Einigungsverfahren zu schaffen sowie die Transparenz und die Beteiligungsrechte der versicherten Personen zu stärken. Die Motion stellt eine Alternative zur parlamentarischen Initiative Roduit 21.498 dar. Diese verlangt, dass sich die IV-Stelle und die versicherte Person bei monodisziplinären IV-Gutachten gemeinsam auf eine sachverständige Person einigen. Die Behandlung der Initiative wurde vorläufig sistiert und wird wieder aufgenommen, sobald die Räte über die Motion entschieden haben. Inclusion Handicap befürwortet das Kernanliegen der Motion und empfiehlt dem Nationalrat, das Geschäft anzunehmen.

Zur Motion 26.4057 auf Curia Vista

Ständerat

Obligatorische Krankentaggeldversicherung würde Lücke im sozialen Netz schliessen

15.09.2026; Motion Romano 21.4209: In der Schweiz ist die Krankentaggeldversicherung weiterhin nicht obligatorisch. Die Motion Romano (21.4209) fordert deshalb, Arbeitgebende gesetzlich dazu zu verpflichten, ihre Arbeitnehmenden gegen Erwerbsausfall bei Krankheit zu versichern. In einem neuen Bericht zeigt der Bundesrat verschiedene Handlungsoptionen auf, sieht jedoch keinen grundlegenden Handlungsbedarf (siehe Newsmeldung vom 21.08.2026). Aus Sicht von Inclusion Handicap bleibt das fehlende Obligatorium aber eine problematische Lücke im sozialen Netz. Es kann für Arbeitgebende negative Anreize schaffen, Menschen mit Behinderungen oder ältere Personen anzustellen, da sie höhere krankheitsbedingte Ausfallrisiken befürchten könnten. Inclusion Handicap spricht sich deshalb weiterhin für eine obligatorische Krankentaggeldversicherung aus und fordert den Ständerat auf, dem zu folgen.

Zur Motion 21.4209 auf Curia Vista

Mit der befristeten Übernahme der Schuldzinsen die IV entlasten

30.09.2026; Motion Graf 26.3894: Die IV zahlt jährlich über 200 Millionen Franken Schuldzinsen an die AHV – einer der Haupttreiber ihres strukturellen Defizits. Gleichzeitig lasten auf ihr weiterhin Darlehensschulden von rund 10,3 Milliarden Franken. Ohne Gegenmassnahmen drohen der IV jährliche Defizite von bis zu 800 Millionen Franken, der IV-Fonds könnte bis 2031 leer sein. Angesichts dieser angespannten finanziellen Situation darf nicht länger zugewartet werden. Die Motion 26.3894 von Grünen-Ständerätin Maya Graf verlangt deshalb, dass der Bund rasch zur Stabilisierung der IV beiträgt und die Schuldzinszahlungen an die AHV befristet übernimmt. Inclusion Handicap appelliert an den Ständerat, die angespannte finanzielle Lage der IV ernst zu nehmen und notwendige Massnahmen nicht länger aufzuschieben.

Zur Motion 26.3894 auf Curia Vista